Goodbye, Pope Francis!

The DIALOP delegation with Pope Francis on 10. January 2024

Good bye and many thanks, Pope Francis!

Pope Francis left us on Easter Monday 2025. He was and remains the DIALOP’s starting engine. we will never forget his invitation to a cross-cutting dialogue to solve humanity’s problems.

A Pilgrim of Hope and Dialogue: In Tribute to Pope Francis

We bid farewell with deep sorrow to Pope Francis, who passed away at the age of 88 after a persistent struggle to continue offering himself in service to the Church and its people.

The Dialop Project could not have come into existence without Francis. It was through his encouragement in 2014 that we received the decisive impetus to create a permanent space for dialogue between Christianity and the Left. His unwavering faith in the power of dialogue—at a time marked by fragmentation and a loss of meaning—gave the founders of Dialop the confidence to believe that a dialogue between Christianity and Marxism is not only necessary but also entirely possible.

Francis reminded us all of the foundational principles upon which the Church was built, and of how the Gospel message is inherently a struggle for social liberation and human emancipation. For him, the face of the migrant drowning in the Mediterranean, of the Palestinian mother losing her children in Gaza, of the poor crushed beneath the greed of profit-driven economies and climate catastrophe, is the face of the crucified Christ.

Francis was not afraid to be political. That is, he was not afraid to take sides—between the exploited and the exploiters—and to show that the ecumenism of the Church passes through the voice and the body of the subject of the soteriological process: the poor, the marginalised, the migrant.

In January 2024, we had the honor and joy of a private audience with Pope Francis as members of Dialop – Transversal dialogue between Christians and Marxists. Pope urged us “don’t back off, don’t give up, and don’t stop dreaming of a better world”, and he underlined the true meaning of solidarity:

“Solidarity is not only a moral virtue, but also a requirement of justice, which calls for correcting the distortions and purifying the intentions of unjust systems, not least through radical changes of perspective in the sharing of challenges and resources among individuals and among peoples.”

For us, and for the faithful across the world, the memory of Francis will live on forever. On our part, we are committed to keeping alive the flame of dialogue between Christians and socialists in the struggle for a society of justice, equality, peace, and solidarity.

Angelina Giannopoulou – transform!Europe (Greece)

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One of the most quoted phrases of Pope Francis in Portugal these days is his call for a Church of ‘everyone, everyone, everyone,’ spoken during the World Youth Day in Lisbon. I’ve been thinking about why this phrase sparked so much enthusiasm and even admiration, when it should be so obvious to the followers of Jesus that, like Him, the Church must not show partiality. And I can find only one answer: it is because exclusion has become normal in the Church. Francis stood in opposition to that practice—he was the very opposite of the tendency to prioritize abstract rules over the sorrows and anxieties, the joys and hopes of each concrete person. Francis retaught us to see the world through the eyes of the poor and of those who suffer discrimination. And he left us a profound legacy of dialogue to help us transform the structures of sin. In this way, he remains with us. Isn’t that what we call eternal life?

José Manuel Pureza – Bloco de Esquerda (Portugal)

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Er war eine unverwechselbare Stimme für den Frieden – in Gaza, im Libanon, in der Ukraine und weltweit. Er war eine Stimme für Gerechtigkeit und war bei den Armen – in Buenos Aires genauso wie in vielen anderen Ländern des globalen Südens oder in Vorstädten Roms. Er war eine Stimme des Dialogs über Religionen und Weltanschauungen hinweg und förderte das Gespräch zwischen Christinnen und Christen und Sozialistinnen und Sozialisten.

Franziskus erste Reise als Papst führte ihn nach Lampedusa um der Toten zu gedenken, die auf der Flucht und Suche nach besserem Leben vor den Küsten Nordafrikas und Italien ohne Hilfe ertranken. Mit aller Entschiedenheit geißelte er die Globalisierung der Gleichgültigkeit, in deren Zentren eine Wirtschaft steht, die tötet (Evangelii Gaudium). Folgerichtig kritisiert er in seinen Sozialenzykliken eine Wegwerfkultur, die längst auch jene entsorgt, die nicht verwertet werden können. Die Sprengkraft seiner Kapitalismuskritik in seinen Sozialenzykliken wurde in der Amazonassynode 2019 weiter ausformuliert: Es geht um eine Infragestellung des Bestehenden –  ausgehend vom Evangelium und zugleich immer auch anschlussfähig für anders- oder Nichtglaubende.

Systematisch bearbeitete Papst Franziskus in Laudato Si die strukturellen Zusammenhänge von Umweltzerstörung, Klimaerwärmung und einer Wirtschaft im Interesse des Profits und er forderte einen neuen Dialog über die Art und Weise, wie die Zukunft des Planeten gestaltet werden soll. Anstelle einer Unterordnung der Menschen und Völker unter ein Wirtschaftsmodell, „das auf dem Profit gründet und nicht davor zurückschreckt, den Menschen auszubeuten, wegzuwerfen und sogar zu töten“, so heißt es in der Enzyklika Fratelli Tutti, braucht es eine Gesellschaft, die die Entfaltung des der Einzelnen mit dem Gemeinwohl verbindet:

Denn „wenn Natur einzig als Gegenstand des Profits und der Interessen gesehen wird, hat es auch ernste Folgen in der Gesellschaft. Die Sichtweise, welche  die Willkür des Stärksten unterstützt, hat für die Mehrheit der Menschheit zu unermesslich viel Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Gewalt geführt, denn die Ressourcen gehen dann in den Besitz dessen über, der zuerst ankommt oder der mächtiger ist: der Sieger nimmt alles mit“.

Papst Franziskus wusste, dass er nicht unfehlbar ist und wollte so auch nicht gesehen werden. Er reagierte zunächst nur zögerlich auf den öffentlich werdenden Missbrauch von Kindern und Jugendlichen unter dem Dach seiner Kirche. Die von ihm aufgegriffenen und neu angestoßenen Kirchenreformen blieben auf halben Wege. Aber er ging diesen Weg und so lassen sie sich als Türöffner für künftige, tiefergehende Reformen deuten. Immer noch haben Frauen in der katholischen Kirche nicht jenen zentralen Platz, den sie im Umfeld von Jesus längst hatten. In seiner Haltung zu Abtreibung und Verhütung blieb er konservativ.

Aber er blieb ein Nachdenkender. So schrieb er mit Blick auf die Rolle der Frauen. in seiner Autobiographie die bemerkenswerten Sätze: „Die Kirche ist eine Frau, kein Mann. Wir Kleriker sind Männer, aber wir sind nicht die Kirche.“ [1]

Franziskus war prophetisch, herzlich, humorvoll und auf Zuhören bedacht, erhob seine Stimme und mischte sich sein bis zum letzten Abend seines Lebens. Von Papst Franziskus bleibt vor allem die Vision eines Christentums und einer Kirche, die sich nicht scheuen entschieden Partei für die Ärmsten und Schwächsten zu ergreifen und bei ihnen zu sein: gegen die Zerstörung durch eine kapitalistische Wirtschaft, die tötet, gegen Aufrüstung, gegen Indifferenz angesichts der tödlichen Grenzregime, für ein Zusammenleben der Menschen, das auf Solidarität, Gleichheit und Freiheit setzt. Mit den Sozialisten und Sozialisten teilte er das Marxsche Ziel, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Franziskus begründete diesen Auftrag an uns alle aus der Liebe Gottes zu seinen eigenen Geschöpfen. Er wird fehlen in diesen dunklen Tagen.

Micha Brie – Scientific board Rosa Luxemburg Foundation and DIALOP (Berlin)

Cornelia Hildebrandt – transform!europe (Berlin)

[1] Papst Franziskus (2025) Hoffe. Kösel-Verlag, München. S. 232

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Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft tötet.
Papst Franziskus (2013), Evangelii Gaudium, 53.
Frieden für Gaza, den Libanon, Syrien, die Ukraine und weltweit – das waren die letzten öffentlichen Worte, die der Papst am Ostersonntag 2025 mit der Stadt und dem Erdkreis teilte. Vor mehr als zehn Jahren hatte er bereits geschrieben, dass wir uns in einem auf Raten geführten Weltkriegen befinden. Seine letzten Worte fassen die Essenz seines Pontifikats besser zusammen, als jeder Nachruf es könnte.
Wer war, wer ist dieser Papst, dem Übelmeinende mehrmals vorwarfen, er wäre Kommunist?
„Am Anfang war der Schrei“, definiert Leonardo Boff den Ausgangspunkt der Theologie der Befreiung. Am Anfang steht die Katastrophe scheint uns Franziskus zu sagen, indem er seine Autobiographie durch die Schilderung des Untergangs Principessa Mafalda mit 1.200 italienischen Migrant*innen vor der Küste Brasiliens am 25. Oktober 1927 einleitet.
Für manche Vatikanist*innen überraschend, aber konsequent franziskanisch war es, dass seine erste Pilgerreise als Papst ihn in das Flüchtlingslager auf die Insel Lampedusa führte.
Im Lager Moria auf Lesbos erkannte er eine Schande der Europäischen Union, durch die das Mittelmeer, das über Jahrtausende verschiedene Völker und weit voneinander entfernte Länder vereinte, zum kalten Friedhof ohne Grabsteine wurde, zum Meer der Toten.
Jorge Marios Großeltern mütterlicherseits waren dem Untergang der Malfada durch glückliche Fügung entkommen. Ihre Tochter heiratete einen italienischen Einwanderer, den die große Krise Ende der 1920er-Jahre über den Ozean getrieben hatte. Am 17. Dezember 1936 wurde Jorge Mario geboren und wuchs in prekären, kleinbürgerlichen Verhältnissen in Buenos Aires auf. Nach Abschluss einer Ausbildung als Chemietechniker entschied er sich, jesuitischer Ordensmann zu werden. Studien der Philosophie und Theologie folgten. 1973 wurde er Provinzial der argentinischen Provinz des Jesuitenordens, 1992 Bischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires. Der später gegen ihn erhobene Vorwurf, er habe in dieser Zeit mit der argentinischen Militärjunta (1976 bis 1983) kollaboriert, wurden unter anderem von Adolfo Pérez Esquivel und Leonardo Boff zurückgewiesen.
Am13. März 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio zum ersten lateinamerikanischen Papst gewählt. Er nahm den Namen Franziskus an, um damit seine Option für die Armen zu unterstreichen. Über die Option lesen wir in seiner Autobiographie:
„Jeder Christ und jede Gemeinschaft ist aufgerufen, zum Instrument Gottes für die Befreiung des ganzen Volkes und für die Förderung der Armen zu werden. Wer taub bleibt für den Ruf der Armen, nimmt sich aus dem Willen des Herrn und der Vorsehung heraus. Und dabei geht es um mehr als einen gelegentlichen Akt der Großzügigkeit: Es erfordert vielmehr eine neue Mentalität, die zuerst an die Gemeinschaft denkt, an das Leben aller statt an die Ansammlung von Reichtum für einige wenige.“ (Seite 229)
Bleibende Gipfelpunkte der sozialen Theologie Franziskus bilden die Enzykliken Laudato si‘ (2015) und Fratelli tutti (2020), in denen er eine integrale Ökologie, also weltweite soziale Gerechtigkeit und Bewahrung der Natur forderte. Dabei sei, so mahnte, mit Widerständen zu rechnen.
„Wenn die Natur einzig als Gegenstand des Profits und der Interessen gesehen wird, hat das auch ernste Folgen in der Gesellschaft. Die Sichtweise, welche die Willkür des Stärksten unterstützt, hat für die Mehrheit der Menschheit zu unermesslich viel Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Gewalt geführt, denn die Ressourcen gehen dann in den Besitz dessen über, der zuerst ankommt oder der mächtiger ist: Der Sieger nimmt alles mit.”
Denen, die ihn, ob solcher Worte Kommunismus witterten, antwortete der Papst, dass sie nicht begriffen, dass es die Armen sind, die im Zentrum des Evangeliums stehen.
Franziskus war selbstverständlich kein Kommunist, Sozialist, Marxist, oder, was man in reaktionären Kreisen für den Inbegriff des Bösen halten mag. Mit Laudato si‘, wandte sich der Papst aber an alle Menschen und forderte einen neuen Dialog über die Art und Weise zu eröffnen, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten.
Zweimal empfing er im Vatikan Vertreter*innen der Europäischen Linken, 2014 Alexis Tsipras und mich, und 2024 eine Abordnung der Christlich-Marxistischen Dialog-Initiative DIALOP zu Gesprächen, die weit über das Formelle hinausgingen. Darin rief er zu einer transversalen sozialen Ethik auf. Brecht im Dialog die überkommenen Schemata, kümmert Euch um die sozial Benachteiligten, die Armen, die Arbeitslosen, die Obdachlosen, die die Kultur der Verschwendung zu Abfall degradiert und bekämpft das Übel der Korruption, des Machtmissbrauchs und der Missachtung des Rechts.
Die Kirche ist Menschenwerk. Papst Franziskus war nicht unfehlbar und wollte nicht so gesehen werden. Die Fortschritte der Frauenemanzipation blieben auch unter ihm hinter dem Notwendigen zurück. Doch anders als viele Kleriker erkannte er den Widerspruch und schrieb in seiner Autobiographie die bemerkenswerten Sätze: „Die Kirche ist eine Frau, kein Mann. Wir Kleriker sind Männer, aber wir sind nicht die Kirche.“ (Seite 232) Auch Franziskus war nicht die Kirche, sondern ihr Oberhaupt und zu manchem Kompromiss mit beharrenden Kräften gezwungen. Doch die Spuren, die er hinterlässt, weisen darüber hinaus und lassen die Utopie eine Kirche an der Seite der Armen erkennen, in der Männer und Frauen gleichberechtigt gemeinsam mit allen Menschen guten Willens um die Bewahrung der gemeinsamen Welt ringen.

Walter Baier – President of the Party of the European Left, Co-initiator of the Plattform  DIALOP.

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